Bildungsmesse Rodgau

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 Bewerbungstraining hautnah

BewerbungstrainingBewerbungstraining 1

Junge Menschen sollten frühzeitig die Möglichkeit haben, in einem geschützten Rahmen Bewerbungsgespräche praktisch zu trainieren.

Überzeugt von diesem Gedanken, setzten die Stufenleiterin für die Klassen 8-10 der Heinrich-Böll-Schule, Frau Daiber, die Schulsozialarbeiterin, Frau Schubert und Frau Perizonius von der Berufswegebegleitung der Stadt Rodgau, diese Idee im Schuljahr 2013/14 um.

Gesagt…getan: schnell gab es ein Konzept für dieses gemeinsame Projekt von Stadt und Schule. Die Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses „Fit for Job“ erarbeiteten ab sofort nicht nur theoretisch, worauf es im Bewerbungsverfahren ankommt, sondern begaben sich in eine reale Übungssituation unter Beobachtung der gesamten Kursteilnehmer. Hierzu mussten sie Lebenslauf und Bewerbungsschreiben an den Firmenchef und die Ausbildungsleiterin, gespielt von Kerstin Perizonius und Bettina Schubert, abgeben.

In einem ca. 10-15 Minuten langen, so realistisch wie möglich gestalteten Vorstellungsgespräch, sahen sich die Bewerber konfrontiert mit Fragen zur eigenen Person, Hobbys, Praktika, Lieblingsfächern, Noten, persönlichen Stärken und Fähigkeiten, sowie mit Nachfragen über die Gründe der Berufswahlentscheidung, die vorhandenen Kenntnisse über die Firma und eventuelle Fortbildungsbereitschaft. Jeder Bewerber sollte erklären, warum er sich ausgerechnet für dieses Unternehmen bzw. Institution entschieden hat, was ihn an der Ausbildung besonders interessiert, und mit Gründen überzeugen, warum der Arbeitgeber positiv entscheiden sollte. „Punkten“ konnten „Bewerber“, wenn sie selbst Fragen zum Gespräch mitgebracht hatten, wobei im Fokus nicht Fragen zu Gehalt, Urlaubsregelung oder Atmosphäre in der Firma stehen sollten. Die Mitschüler waren aufgefordert, den Gesprächsverlauf genau zu beobachten und sich ruhig und kommentarlos zu verhalten. Der Mut, sich vor allen vorzustellen, wurde stets mit Applaus bedacht. Das „Bewerbungsgespräch“ wurde im Anschluss von den Mitschülern, dem Bewerber selbst und den drei Trainerinnen reflektiert.

Dass Nervosität normal ist, Konzentration, deutliche Sprache und gute Vorbereitung vorteilhaft, sowie Clownerie, übertriebene Lässigkeit und defizitäres Arbeitsverhalten nicht zielführend sind, ist eine erste Erfahrung. Zahlreiche inhaltliche und formelle Aspekte und Tipps für ein gelungenes Bewerbungsgespräch wurden gemeinsam erarbeitet: Von der Vorbereitung auf das Gespräch bis zur Verabschiedung. Präzisiert wurden die Themen: Pünktlichkeit, Kleidung, Handy, Kaugummi kauen, gepflegtes Äußerliches, Begrüßung, Small-Talk, Annahme eines Getränkes, Blickkontakt, Körperhaltung, Sprache, Stärken, gut vorbereiteter Lebenslauf, Wissen über Beruf und Firma, persönliche Kompetenzen, Nachfragen, Erwartungen an die Ausbildung, Verabschiedung.

Um eine mögliche Scheu zu überwinden, konnten die Teilnehmer auch eine Telefonbewerbung üben: Von der „Zentrale“ (B. Schubert) bis zur „Chefetage“ (K. Perizonius) mussten sie sich durcharbeiten. (Ist schon was ganz anderes, als sich mal schnell zu verabreden…). Dieses Training blieb an der Schule nicht unentdeckt: Die damalige 9d äußerte großes Interesse am Training fiktiver Bewerbungsgespräche.

Den erforderlichen Mut zeigten Nick und Erik in engagierten Gesprächen für die Berufe Erzieher und Mechatroniker. Sie „ernteten“ ein sehr konstruktives Feedback.

In einem Rollenspiel führten Firmenchef Herr Heinzelmann (K. Perizonius) und die Bewerberin Paula Dusel (B. Schubert) eine Telefonbewerbung vor, gespickt mit zahlreichen Fehlern, „Fettnäpfen“ und Unzulässigkeiten. Diese mussten von der Klasse herausgefunden werden. Die nun gelernte Theorie konnte Til bei einer gespielten Telefonbewerbung souverän unter Beweis stellen. Nun wollten alle Schüler aus der Klasse ein Bewerbungsgespräch üben. Diesem durchaus aufwendigen Wunsch entsprachen Schule, Klassenlehrerin, Schulsozialarbeit und Berufswegebegleitung und schufen gemeinsam, kurz vor Sommerferienbeginn, an zwei Tagen 24 Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich einzeln zu „bewerben“. „Als das Anschreiben der Musterfirma GmbH daheim auf dem Tisch lag, habe sich eine Mutter gedacht: Wo hat sich denn mein Sohn beworben?“ erzählt B. Schubert und freut sich, dass es so echt aussieht.“ Im 25-Minuten-Takt klappte der Bewerbungsmarathon reibungslos. Alle hatten Bewerbungsunterlagen erstellt, im Betreuungsbereich der Schule waren ein „Wartebereich“ und ein „Firmenbüro“ aufgebaut. „Auch die beiden haben ihren Job gut gemacht“, bestätigen die Schüler unisono, denn Schubert und Perizonius bereiten sich auf jedes Gespräch und damit jeden Berufswunsch ausgiebig vor. So wird Marius, der sich als Pilot bewerben wollte, einfach mal auf Englisch gefragt oder Informatiker Pascal mit allerlei EDV-Fragen konfrontiert. Das Spektrum der Berufswünsche ist groß: Jana und Nick wollen Erzieher werden, Sarah zur Polizei gehen und Yasmins Traumberuf ist Kosmetikerin. „Die Einzelgespräche waren total real und ich konnte mich richtig gut reinversetzen“, beschreibt Leonard seine Bewerbungssituation. „Ja, so ein Training bringt was – und so will die Schule an diesem besonderen Angebot festhalten“ bestätigt Stufenleiterin Christiane Daiber. In Kooperation mit den Klassenlehrern haben im laufenden Schuljahr bereits zwei weitere Klassen freiwillig dieses Angebot genutzt. Zeitlich begrenzt, konnten sich pro Klasse drei Schüler bewerben, persönlich oder telefonisch. K. Perizonius und B. Schubert, die in der Trainingssituation immer anders heißen, unterhielten sich mit Interessenten aus den Bereichen Friseur, Erzieher, Koch, Bankkaufmann, Verkauf.

Es liegen bereits drei weitere Anfragen von Klassen vor.

„Chefs suchen nicht nur fachlich qualifizierte und interessierte Mitarbeiter, sondern auch kommunikations-, kritik- und teamfähige Menschen, die verantwortungsbewusst, flexibel tolerant und leistungsbereit sind. Macht Euch vor den Gesprächen Gedanken über Eure individuellen Stärken, gebt keine Hobbys an, die nicht stimmen und könnt im Zweifelsfall eine schwache Note im Arbeitsverhalten erklären. Es ist nicht höflich, eine halbe Stunde vor Termin an die Tür zu klopfen, bitte überlegt Eure Kleidung ein paar Tage vorher, seid ausgeschlafen, nehmt Euch einen Notizblock mit und denkt bitte daran, das Handy auszumachen!“ Mit diesen und vielen weiteren Anregungen, wollen Frau Daiber, Frau Perizonius und Frau Schubert Schülerinnen und Schüler ganz praktisch unterstützen, sie stärken und ihnen ihre Aufregung etwas abnehmen. „Wenn uns das gelingt, hat sich das Projekt gelohnt“, sind sich die drei einig.

„Bewerbung hautnah“ ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit von weiterführenden Schulen, Berufswegebegleitung und Schulsozialarbeit in Rodgau.